muendliche Pruefungsprotokolle

Heilpraktikerprüfung: Prüfungsprotokolle der mündlichen Prüfung.

 

Auf dieser Seite veröffentlichen wir Protokolle der mündlichen Heilpraktikerprüfung, die uns von ehemaligen Kandidaten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt wurden.

Die Veröffentlichung erfolgt ohne Namen und ohne Ortsangabe.

 

Einzelne Prüfungsfragen, wie sie in den mündlichen Prüfungen vorkommen, werden wir ausführlich kommentieren oder eventuell mit einem Link versehen, der zu einer verständlichen Erklärung führt.

 

An dieser Stelle möchten wir alle Leser dieser Seite ganz herzlich ermuntern, uns Ihre Erfahrungen oder Protokolle der mündlichen Prüfung zuzusenden und damit den Kollegen zu helfen.

Mail: info@heilpraktiker-pro.de

Wir freuen uns auf Ihre Berichte

Gabriele Ziegener


 

Prüfungsprotokoll November 2020

Netter Empfang, freundliche Atmosphäre

Und hier die Fragen:

Einstieg mit dem Gesetz: «Was sagt Ihnen das AMG?»

Antwort: AMG steht für Arzneimittelgesetz. Das AMG legt fest, was ein Arzneimittel ist (Begriff), die Anforderungen an AZM, die Herstellung und das Inverkehrbringen. Arzneimittel sind Zubereitungen aus aktiven Stoffen (international: Active Pharmaceutical Ingredients) und Hilfsstoffen zur Anwendung an Menschen und am Tier. Ebenso für die Diagnostik. Habe noch ein bisschen ausgeholt zum Thema AZM Zulassungen. War nicht gefragt, gab aber anerkennendes Nicken. Habe noch auf die AMVV verwiesen, da diese für HPs noch wichtig ist, denn darin ist unter anderem geregelt wie eine Rezeptierung aussehen soll und dass homöopathische Medikamente bis D4 verschreibungspflichtig sind. Bei Betäubungsmitteln gilt: Opium ab D6 und Papaver somniferum D4. Das war nicht gefordert. Aber ich glaube, dafür gab’s «Bonus».

«Welche Arzneimittel gibt es?»

Antwort: (STRUKTUR!!) Man kann AZM einteilen z. B. nach der Arzneiform bzw. der galenischen Zubereitung: Tabletten, Kapseln, Granulate, Infusionslösungen, Suspensionen, Mikrotabletten uw. Eine weitere Einteilung wäre möglich nach der Bezugsmöglichkeit

  • Verschreibungspflichtige Arzneitmittel
  • OTC Produkte (over the counter)
  • Homöopathische, isopathische Arzneimittel
  • Betäubungsmittel
  • Apothekenpflichtige Arzneimittel

«Dürfen Sie Ibu 400 verordnen?»

Antwort: ich darf Ibuprofen in oraler Form bis 400 mg verordnen. Höhere Dosierungen unterliegen der Verschreibungspflicht. Ebenso ist Ibu 400 mg als Infusionslösung verschreibungspflichtig.

Damit waren Sie mehr als zufrieden.

«Ein Patient kommt zu Ihnen mit einer umfangreichen Medikamentenliste. Das eine oder andere vom Arzt verordnete Präparat ist Ihnen nicht bekannt. Wie gehen Sie vor?»

Antwort: in diesem Fall kann ich mir die Rote Liste zu Hilfe nehmen.

«Und was steht denn in der roten Liste?»

Das hätte jetzt schief gehen können, wenn ich nicht schon mehrfach mit der roten Liste gearbeitet hätte.

Antwort: in der roten Liste gibt es allgemeine Informationen zu Arzneimitteln, aber auch den Bereich für die Fachkreise. Ich nutze den Fachkreisbereich und kann mich dort informieren über Indikation, Kontraindikationen, Wechselwirkungen, Dosierungeempfehlungen, ebenso darüber, ob das Medikament verschreibungspflichtig ist oder nicht.

Keine weiteren Fragen zu diesem Thema.

Es ging weiter mit der Hypertonie.

«Was wissen Sie über die Hypertonie und wie würden Sie sie einteilen?»

Antwort: ich habe die Einteilung der WHO gewählt und erläutert (Wohlwollendes Nicken) und dann erwähnt, dass man die Einteilung in «Primäre Hypertonie» (essentielle Hypertonie) und sekundäre Hypertonie vornehmen kann. Habe betont, dass die primäre Hypertonie erst als Diagnose angenommen werden kann (also eine Ausschlussdiagnose ist), wenn alle anderen Faktoren der sekundären Hypertonie ausgeschlossen sind, als da wären:

  • Renale Ursachen
  • Endokrine Ursachen
  • Kardiale Ursachen
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom

«Welche Störung der Niere könnte denn zu Bluthochdruck führen?»

Antwort: eine Ursache könnte in einer Nierenarterienstenose liegen, oder in einer Glomerulonephritis und/oder durch Tumore.

«Und an welche endokrinen Ursachen für einen Bluthochdruck denken Sie?»

Antwort: da fallen mir spontan ein: die Hyperthyreose, der Hypercortisolismus – Morbus Cushing oder das Cushing Syndrom (konnte beide auch differenzieren, so dass mir weitere Fragen dazu erspart blieben), dass der Bluthochdruck von der mineralokortikoiden Restwirkung des Cortisols resultiert und habe dann noch das Conn Syndrom angeführt = der Hyperaldosteronismus.

(Beim Begriff «Conn Syndrom» gingen nochmal die Augenbrauen der Prüfer hoch. Dieser Teil des Gesichts war zum Glück nicht von der Maske verdeckt )

Das Conn Syndrom habe ich nur erwähnt, weil mir das spontan einfiel und ich damit noch punkten konnte. Habe erklärt, dass Aldosteron in der Nebennierenrinde produziert wird, in der Zona glomerulosa, und dass z.B. durch einen Tumor in diesem Bereich vermehrt Aldosteron freigesetzt wird und dass es dadurch zu einer vermehrten Rückresorption von Natrium, Chlorid und damit auch von Wasser am proximalen Tubulus kommt. Dies führt zu einer Volumenerhöhung und somit zu einer Erhöhung des Blutdrucks.

Ich kam dabei richtig in Schwung Vor lauter Redebegeisterung habe ich das Phäochromozytom vergessen. Aber das war zu dem Zeitpunkt schon «wurscht».

Es wurde mir nicht übel genommen.

«Welche Medikamente können den Blutdruck erhöhen?»

Antwort: Glukokortikoide, NSAR (z.B. Diclofenac), Ibu, Paracetamol und viele andere

«Welche Medikamente sind Ihnen bekannt, die zur Senkung des Blutdrucks heran gezogen werden können?»

Antwort: leichte Formen der Hypertonie versucht man zunächst mit Diuretika zu therapieren, z.B. Furosemid, Torasemid…

Betablocker: Bsp. Metoprolol, Atenolol…

Sartane: Bsp. Valsartan, Candesartan

Calcium-Antagonisten: Bsp. Amlodipin, Verapamil ….

ACE-Hemmer: Bsp. Lisinopril, Enalapril….. Habe bei den ACE-Hemmern noch erwähnt, wie sie wirken und dass sie überwiegend in der Lunge ansetzen. Daher ist eine sehr häufige Nebenwirkungen bei Patienten ein andauernder trockener Reizhusten. Also bei Patienten, die über einen seit langer Zeit therapieresistenten Reizhusten klagen, müssen die ACE Hemmer mit in die Differentialdiagnose mit eingezogen werden.

Welches Medikament wirkt positiv inotrop? Also welches stärkt die Herzkraft?

Da kam ich nicht drauf. Mir ist nur der Crataegus eingefallen, das war nicht falsch. Sie hat mir die Lösung nicht genannt, aber ich glaube, sie meinte Digitalis. Das ist mir allerdings erst zu Hause wieder eingefallen.

Dann kam die Überleitung zu Risikofaktoren KHK

Ich habe definiert: KHK, habe das Akute Coronarsyndrom erwähnt (instabile Angina Pectoris und Herzinfarkt). Musste dann noch die klassischen Risikofaktoren erwähnen. Die Aufzählung schenke ich mir jetzt hier.

«Manche Angina Pectoris Patienten führen ein bestimmtes Medikament mit sich. Kennen Sie das?»

Antwort: Ja. Das ist Nitroglycerin. Gibt es also Spray oder als sublinguale Anwendung.

«Wenn der Patient, von dem sie wissen, dass er an AP erkrankt ist, plötzlich über Brustschmerzen und Engegefühl klagt, können Sie das Spray, das ihm vom Arzt verschrieben wurde, benutzen?»

Antwort: Nein, das darf ich unreflektiert nicht tun. Nitrospray führt zu einem venösen Pooling. Wenn der Patient einen Blutdruck von < 110 mmHg hat und ich Nitrospray anwende, so wäre das ein Fehler mit möglichen schweren Folgen

Das lief ganz gut und dann ist die Amtsärztin aber auf die Pathogenese des Verschlusses der Coranararterien eingestiegen. Nach dem Motto: wie kann es denn dazu kommen?

Da bin ich wieder mit Struktur eingestiegen – habe also die Frage nicht gleich direkt beantwortet:

Antwort: Das Herz ist zwar relativ klein, hat aber einen enormen Sauerstoffbedarf. Habe die Coronararterien erwähnt (deutsch und lateinisch) und den Verlauf beschrieben, incl. der Rami.

Habe eine Besonderheit erwähnt: die Koronarien sind Endarterien und sie bilden keine Kollateralen. Also gibt es bei einem Verschluss einer Koronararterie keinen Umgehungskreislauf, um den Herzmuskel anderweitig zu versorgen. Es kommt zum Infarkt, zur Nekrotisierung des betroffenen Gewebes und zum Funktionsverlust. Dieser Schaden ist irreversibel.

«Wie kommt es zum Verschluss?»

Antwort: Habe Bezug genommen auf Risikofaktor Arteriosklerose. Habe erwähnt, dass es stabile und instabile Plaques gibt und dass es zu Plaquerupturen kommen kann => Blutgerinnung setzt sein =>Thrombenbildung => Verschluss

Danach war die Amtsärztin zufrieden und hat an die Heilpraktikerin übergeben.

«Ihr Patient bringt Ihnen einen Arztbericht aus dem Krankenhaus mit. Darauf befinden sich viele Abkürzungen. Können Sie mit den folgenden Abkürzungen etwas anfangen?»

CIV

Antwort: Chronisch venöse Insuffizienz, kurz erklärt, Komplikationen z.B. Thrombosen incl. Virchow Trias.

Die CIV wurde relativ kurz abgehandelt.

pAVK

Antwort: periphere arterielle Verschlusskrankheit. Hier konnte ich die vollständige Einteilung nach Fontaine runter beten.

Das wollten sie hören. Keine weiteren Fragen

«Was sagt Ihnen die Abkürzung TNM?»

Antwort: das ist eine internationale Beschreibung zur Klassifizierung von Tumoren.

T: beschreibt die Tumorgrösse z.B. T1 klein, bis T4 sehr groß

N: steht für Nodus. Beschreibt inwieweit Lymphknoten bereits betroffen sind, d.h. dies ist auch ein Maß für die Ausbreitung des Tumors

M: steht für Metastasen: gibt an, ob es schon Metastasen in anderen Organen gibt

Es gibt aber auch noch die Abkürzung G: die steht für «Grade» und beschreibt die Differenzierung des Tumors: von niedrig maligne bis hoch maligne, Maß der Proliferation etc.

Habe noch erklärt, wie man das alles herausfindet: also Sono, Knochenszintigraphie, Biopsie.

Danach haben sie mich raus geschickt. Ich kam nicht einmal mehr in den Genuss, eine der Netter-Anatomiekarten zu beschreiben.

Als ich wieder hinein gerufen wurde, hieß es, ich hätte allen Grund zum Feiern.

O-Ton: «Wenn wir heute Noten vergeben müssten, dann hätten Sie jetzt eine 1 mit Sternchen bekommen».

Gelobt wurden Struktur, Präsentation, Klarheit und das umfangreiche Wissen.

Das Protokoll wirkt zwar lang, aber ich war schon nach ca. 30 Minuten wieder draussen.

 

 

Prüfungsprotokoll November_2018

Mit 10 minütiger Verspätung wurde ich von der Prüfungsvorsitzenden herein gebeten.

Die  Atmosphäre war gut; alle Prüfer stellten sich vor und die Vorsitzende begann locker zu erzählen; fragte mich, ob ich mich gut fühle und ob ich bereit wäre für die Prüfung.  Komisch, ich habe mich nicht mal vorstellen können, stattdessen kam eine andere zu erwartende Frage: „warum wollen Sie Heilpraktiker werden?“

Wie so viele vor mir, wollte auch ich mir die Namen der Prüfer merken, aber ich glaube, man ist einfach zu aufgeregt….

  1. Prüfer, Facharzt Orthopädie

Fall: zu mir kommt ein Patient, 68 Jahre alt, und klagt über „Antriebsmangel“. Das war schon alles.  Ich habe super viele DD genannt, aber letztendlich lief es auf Depression hinaus und er war suizidgefährdet!

Gleicher Patient fragt mich, ob ich evtl. wüsste, was seine Enkeltochter haben könnte; sie würde sich immer am Kopf kratzen! Ich sagte sofort, dass ich keine Ferndiagnosen machen würde und auch nicht dürfte, daraufhin bringt er sein Enkelkind mit in die Praxis. Läuse! Da besteht für mich als HP Behandlungsverbot und ich verweise an den Arzt.

Dann noch alle Wirbel aufzählen.

  1. Prüfer, Allgemeinmediziner

Warum sollen alte Menschen nun neuerdings ihren Puls regelmäßig selbst fühlen? Ich stand echt auf`nem Schlauch, davon hatte ich noch gar nichts gehört (Medien etc.) Ich begann dann einfach mit Bradykardie und möglichen Ursachen. War aber nicht richtig.  Herzrhythmusstörungen und wie die entstehen. Welche Formen etc. Wo bilden sich Gerinnsel, was passiert…wie entsteht Herzinfarkt und wo?       Dann alles zum Thema Eisenmangelanämie; bes. Blutwerte.

Danach sollte ich alles über die Virus-Hepatitiden erzählen.

  1. Heilpraktikerin

Fall: Patientin kommt morgens zu mir in die Praxis und hört auf einem Ohr schlecht. Was könnte das sein und was tue ich? Ich hatte sämtliche DD`s abgefragt, aber Fall wurde nicht aufgeklärt……(da dachte ich, die Prüfung wäre gelaufen…)

Fall: Mutter mit kleiner Tochter kommt aufgeregt in die Praxis und berichtet, das Kind hätte rosa farbenden Urin! Keine weiteren Symptome. Ich fragte gleich nach einer vorangegangenen Infektionskrankheit – und Bingo – Mandelentzündung (Streptokokken) und somit postinfektiös Glomerulonephritis. Alles dazu erklären, wie kommt es dazu, warum Blut und Eiweiß im Urin….

  1. Heilpraktiker

Alles über die Bauchspeicheldrüse…Anatomie und Physiologie

Danach den Weg der Nahrung ab Mund beschreiben!!!!! Wo setzen welche Enzyme ein usw.

 

Nach etwas über 1 Stunde wurde ich dann hinaus gebeten. Vom Gefühl her war ich mir ziemlich sicher, dass ich nicht gut genug war, aber nach ca. 10 Minuten (!) bat mich die Vorsitzende wieder lachend hinein und gratulierte mir! Mir kamen die Tränen! Die ganze Anspannung viel von mir ab und ich bedankte mich bei dem wirklich fairen Prüfungsausschuss. Es war bei weitem nicht so „schlimm“, wie ich es mir vorgestellt hatte. Jeder der 4 gab mir immer wieder Hinweise und Stichwörter; das muss ich wirklich sagen.

 

Ich bin total glücklich und dankbar, dass ich es geschafft habe! Was mache ich nur mit der vielen freien Zeit ab jetzt !!!!????

 

Ich möchte nochmals betonen, für alle, die die Prüfung noch vor sich haben: macht Euch bitte nicht verrückt! Es sind tatsächlich Menschen, ganz normale Menschen, die dort sitzen! Und die wollen wirklich, dass man es schafft! Sie geben sich größte Mühe – nur : wir müssen es auch erkennen!

 

 

 

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